Endlich Ruhe

Erstellt am 2020-02-24

Bein Planen unserer Route durch Laos, haben wir mehrere Routen durch die Berge im Norden von des Landes in Betracht gezogen. Nach reichlicher Überlegung wurde uns jedoch klar, dass wir vom vielen Reisen ziemlich erschöpft sind und aktuell nicht mehr wirklich Lust auf ein solches bergiges Offroad-Abenteuer in entlegenen Gegenden haben. Außerdem ist es einfach, später nochmal nach Laos (oder sonst wohin in Südostasien) zurückzukehren, wenn wir wieder abenteuerlustiger sind. Also beschlossen wir, die flachste Route zu nehmen, die wir finden konnten.

Heiko kurbelt sich langsam die steile Straße kurz vor Ban Nahin hinauf

Heiko kurbelt sich langsam die steile Straße kurz vor Ban Nahin hinauf

Aber selbst die flachste Route durch Laos hat immer noch Berge. Zuerst mussten wir einen langen Anstieg von der vietnamesischen Seite hinauf zur Grenze bewältigen, bevor wir nach Laos einreisen und hinab nach Lak Sao, der ersten Stadt auf der laotischen Seite, rollen konnten. Die unterschiedlichen Fahrstile waren nicht sofort offensichtlich, da auch laotische Fahrer in den Bergen sehr oft hupen, wenn sie sich engen Kurven und Serpentinen nähern, um möglichen Gegenverkehr auf sich aufmerksam zu machen. Als wir jedoch flachere und geradere Straßen erreichten, stellten wir mit großer Erleichterung fest, dass dort sehr selten gehupt wurde (endlich ruhiger Straßenverkehr nach zehn Monaten Gehupe!). Laotische Fahrer sind tatsächlich extrem entspannt und daher normalerweise nicht in Eile und relativ langsam unterwegs. Zusammen mit der stillen Freundlichkeit der Menschen, war dies ein krasser (und sehr willkommener) Gegensatz zum lauten Verkehr und/oder lauten Menschen, die alle Länder zu bevölkern schienen, durch die wir seit Europa gekommen waren. Eine weitere drastische Änderung war das Wetter. Während es an der vietnamesischen Küste feucht und kühl war, wurde es, nachdem wir den Pass überquert hatten, sofort trockener und tagsüber viel, viel heißer - etwas, an das wir uns erstmal einige Tage lang gewöhnen mussten.

Endlich ein hervorragendes Beerlao nach Ankunft in Ban Nahin

Endlich ein hervorragendes Beerlao nach Ankunft in Ban Nahin

Lak Sao ist eine der Städte auf dem "Loop", einer Touristenroute durch die Provinzen Kammouane und Bolikhamxay in Zentral-Laos, die normalerweise per Motorrad abgefahren wird. Als Hannah in Laos gewohnt hat (2011-2013), war der Loop etwas, was man nur als hartgesottener Abenteurer mit Geländemotorrad (oder als noch hartgesottenerer Radreisender) angegangen hat, da einige der Straßen wirklich schlecht waren und höchstwahrscheinlich einige Flüsse zu durchfurten waren. Es gab zu der Zeit auch wenig touristische Infrastruktur (Restaurants, Unterkünfte) entlang der Strecke. Heute wird "The Loop" von der Nationalen Tourismusadministration von Laos verwaltet und kann auf einem Miet-Motorrad (eher ein Motorroller als ein Geländerad) bewältigt werden, anhand von Karten, auf denen Restaurants, Unterkünfte und Sehenswürdigkeiten schon markiert sind.

Schulkinder laufen auf der Straße zwischen Lak Sao und Ban Nahin

Schulkinder laufen auf der Straße zwischen Lak Sao und Ban Nahin

Der Fluss Nam Theun, zwischen Lak Sao und Ban Nahin, mit Booten aus Treibstofftanks, die während des Vietnamkrieges von einem US-Flugzeug abgeworfen wurden. Laos ist das weltweit am meisten bombardierte Land, relativ zur Einwohnerzahl, und die Leute bauen alle möglichen Dinge mit dem Metall (nicht explodierter!) Bomben und Treibstofftanks.

Der Fluss Nam Theun, zwischen Lak Sao und Ban Nahin, mit Booten aus Treibstofftanks, die während des Vietnamkrieges von einem US-Flugzeug abgeworfen wurden. Laos ist das weltweit am meisten bombardierte Land, relativ zur Einwohnerzahl, und die Leute bauen alle möglichen Dinge mit dem Metall (nicht explodierter!) Bomben und Treibstofftanks.

Wir folgten einem Abschnitt des Loops von Lak Sao nach Vieng Kham, auf der Route 8. Unterwegs verbrachten wir zwei Nächte in Ban Nahin, von wo aus wir einen Tagesausflug zur Konglor-Höhle unternehmen wollten, einer faszinierenden, 7km langen Höhle, durch die man per Boot auf einem unterirdischen Fluss fahren kann. Wir brachen um 10 Uhr an unserer Pension auf, um ein Songthaew (ein Pick-up mit Bänken als öffentliches Verkehrsmittel) nach Konglor in ca. 40km Entfernung zu finden. Leider erfuhren wir, dass das letzte Songthaew für den Rückweg von Konglor schon um 13:30 abfährt, so dass es schon zu spät war, um am gleichen Tag hin und zurück zu gelangen. Etwas enttäuscht machten wir uns stattdessen an die nächstinteressanteste Unternehmung in Ban Nahin - eine Wanderung zum Nam-Sanam-Wasserfall. Wir zahlten das Eintrittsgeld am Startpunkt des Pfades, radelten auf einem Feldweg, bis die Vegetation zu dicht wurde, wanderten weiter auf einem schmalen Pfad - und verliefen uns prompt, obwohl wir versuchten, den wenigen im Wald verteilten Schildern zu folgen. Nach viel zu vielen falschen Abzweigungen, fanden wir schließlich den Wasserfall, der die Wanderung wirklich wert war! Wir badeten etwas und hatten ein kleines Picknick, bevor wir uns auf dem Rückweg wieder verliefen...

Wir konnten nur bis zu diesen kleinen Wasserfällen vordringen, aber der große Nam-Sanam-Wasserfall ist im Hintergrund zu sehen, in der Nähe von Ban Nahin

Wir konnten nur bis zu diesen kleinen Wasserfällen vordringen, aber der große Nam-Sanam-Wasserfall ist im Hintergrund zu sehen, in der Nähe von Ban Nahin

Die Straße von Ban Nahin Richtung Vieng Kham beginnt mit einem steilen Anstieg auf den Berg Phou Pha Marn, oben auf welchem man mit einer tollen Aussicht auf die umliegende Karstlandschaft belohnt wird, die ziemlich anders ist als die Karstlandschaften, die wir zuvor gesehen haben. Das Gebiet wurde erst kürzlich touristisch erschlossen (eröffnet im Dezember 2019!) und bietet außer dem Aussichtspunkt mit Touristeninformation und Restaurant auch eine Seilrutsche und die Möglichkeit, auf einem zwischen den Karstformationen gespannten Netz zu laufen. Da wir nicht auf der Suche nach einem Adrenalin-Kick waren, machten wir nur ein paar Fotos und fuhren weiter.

Aussicht auf die zerklüftete Karstlandschaft von "The Rock", einer neuen, touristischen Einrichtung zwischen Ban Nahin und Vieng Kham mit einer Aussichtsplattform, einer Seilrutsche und einem Netz, auf dem man zwischen den Felsgipfeln laufen kann

Aussicht auf die zerklüftete Karstlandschaft von "The Rock", einer neuen, touristischen Einrichtung zwischen Ban Nahin und Vieng Kham mit einer Aussichtsplattform, einer Seilrutsche und einem Netz, auf dem man zwischen den Felsgipfeln laufen kann

In Vieng Kham endet die Route 8 an einer Kreuzung mit der Route 13, welche die Hauptverbindungsstraße des Landes ist. Auf der Karte konnten wir eine kleine Straße am Ufer des Mekong und mehr oder weniger parallel zur Route 13 erkennen - und nahmen sie, auch aufgrund der Empfehlung einer radreisenden Familie, die wir in Ban Nahin getroffen hatten, dass die Straße nicht so schlecht sei. Ingesamt war dies wohl richtig - aktuell ist Trockenzeit und die Straße war, nun, trocken und relativ fest und eben. Ungefähr 25km bevor die Straße bei Pakkading wieder auf die Route 13 traf, war die Straße sogar asphaltiert, wobei die Oberfläche jedoch fast so rau wie zuvor auf dem Feldweg war. Nichtsdestotrotz war es sehr weit von Ban Nahin nach Pakkading und mit der groben, hügeligen Straße und dem Berg am Morgen, kamen wir erst knapp vor Sonnenuntergang und komplett erschöpft in Pakkading an.

Karstlandschaft zwischen Ban Nahin und Vieng Kham

Karstlandschaft zwischen Ban Nahin und Vieng Kham

Die Straße, auf der wir ab Vieng Kham die verkehrsreichere Route 13 meiden und näher am Mekong sein wollten, stellte sich als unbefestigt, hügelig und sehr sandig heraus

Die Straße, auf der wir ab Vieng Kham die verkehrsreichere Route 13 meiden und näher am Mekong sein wollten, stellte sich als unbefestigt, hügelig und sehr sandig heraus

Abend am Mekong zwischen Vieng Kham und Pakkading. Wasserkraft-Projekte der letzten Jahre änderten die Farbe des Flusses von einem schlammigen Braun zu klarem Blau.

Abend am Mekong zwischen Vieng Kham und Pakkading. Wasserkraft-Projekte der letzten Jahre änderten die Farbe des Flusses von einem schlammigen Braun zu klarem Blau.

Von Pakkading nach Vientiane waren es zwei weitere lange Tage, so dass wir auf der Route 13 blieben und jeder Versuchung widerstanden, irgendwelche Offroad-Umwege zu nehmen. Auch wenn auf der Route 13 recht viel Verkehr war, war es trotzdem nicht stressig, so dass es uns nichts ausmachte, auf so einer großen Straße zu fahren und den glatten Asphalt zu genießen. Wie zu erwarten, nahm der Verkehr zu, je näher wir Vientiane kamen, so dass wir ca. 20km vor der Stadt auf kleinere Straßen abbogen. Diese führten uns durch die "That Luang Lake Economic Zone", ein riesiges, von chinesischen Investoren vorangetriebenes Wohn- und Geschäftsgebiet. Es sah aus wie die Außenbezirke einer schnell wachsenden, chinesischen Stadt - mit chinesischen Namen auf den Straßenschildern, einem kürzlich fertiggestellten Hochhauskomplex und Bauaktivitäten überall - und überhaupt nicht wie der Rest Vientianes. Während wir auf der Videowand das ganze Ausmaß des geplanten Projekts sahen, kamen wir nicht umhin, uns zu fragen, wer das alles mal kaufen soll?

Der Tempel Wat Phabat Phonsane zwischen Thabok und Vientiane

Der Tempel Wat Phabat Phonsane zwischen Thabok und Vientiane

Große Werbe-Videowand für die Projekte der That Luang Lake Economic Zone, einem riesigen Wohn- und Geschäftskomplex, der in einem Außenbezirk von Vientiane von chinesischen Investoren gebaut wird

Große Werbe-Videowand für die Projekte der That Luang Lake Economic Zone, einem riesigen Wohn- und Geschäftskomplex, der in einem Außenbezirk von Vientiane von chinesischen Investoren gebaut wird

In Vientiane fand Hannah eine alte Fahrrad-Bekanntschaft auf Warmshowers und wir wohnten für ein paar Tage bei ihr und ihrem Partner, bevor wir weiter nach Thailand fuhren. Wir waren beide schon zuvor in Vientiane gewesen, so dass wir die Zeit diesmal nutzten, um ein paar von Hannahs alten Freunden zu treffen und zu sehen, was sich in der Stadt seitdem geändert hat. Wir fanden ein paar neue Geschäftsgebäude, alle in chinesischer Hand, die in Vientiane, das ansonsten mehr oder weniger unverändert geblieben war, sehr auffielen. Der Mekong, der sonst direkt vor dem Stadtzentrum floss, ist soweit zurückgegangen, dass vor der Uferpromenade nun eine Sandbank liegt, die so breit ist, dass man den Fluss kaum noch sehen kann. Der Wasserstand ist in den vergangenen Jahren auf einen kritischen Tiefstand gesunken, was teils am Klimawandel und extremeren Dürren liegt, und teils an den Staudämmen die im Hauptstrom und den Zuflüssen des Mekong in China und Laos gebaut werden (und von denen noch mehr in Planung sind). Gerade in den letzten paar Monaten sind die Wasserstände so dramatisch gefallen, dass das normalerweise schlammig-braune Wasser des Mekong nun blau ist, da die Sedimente an den Staudämmen ablagern und der Fluss nun klar und leer ist. Die neue Farbe des Flusses sieht zwar schöner aus, aber die Farbänderung ist ein Warnsignal des schlechten Gesundheitszustands des wichtigsten Wasserlaufs Südostasiens.

Mit unseren Gastgebern Brieke und Jan in Vientiane. Hannah kennt Brieke von einer Rad-Veranstaltung in 2012, als sie noch in Vientiane gelebt hat, wonach die Pfade sich trennten und sich nun in Vientiane wieder kreuzten.

Mit unseren Gastgebern Brieke und Jan in Vientiane. Hannah kennt Brieke von einer Rad-Veranstaltung in 2012, als sie noch in Vientiane gelebt hat, wonach die Pfade sich trennten und sich nun in Vientiane wieder kreuzten.

Nach ein paar Tagen in Vientiane war es dann an der Zeit, von Laos Abschied zu nehmen, einem Land, das wir beide mögen, aber in dem Radtouren eine Herausforderung sind. Vielleicht kommen wir ja bald wieder!