Der endliche Strandurlaub

Erstellt am 2020-03-23

Als wir zurück nach Bangkok flogen, war COVID-19 schon dabei, sich auszubreiten, aber noch keine globale Pandemie. In den paar Tagen zuvor hatte das thailändische Gesundheitsministerium mehrere widersprüchliche Ankündigungen zu Reisebeschränkungen gemacht, so dass wir per Flugzeug statt per Zug zurück nach Bangkok eilten. Zu unserer Überraschung gab am Flughafen dort jedoch kaum irgendwelche Kontrollen, und das obwohl wir aus Singapur kamen, was auf der thailändischen Liste der Länder mit Virusausbreitung stand. Wir ahnten jedoch noch nicht, dass die Epidemie innerhalb nur einer Woche so eskalieren würde, dass die ganze Welt anfangen würde, sich abzuriegeln. Hätten wir das gewusst, wären wir in Singapur geblieben.

Also setzten wir unsere Reise wie geplant fort. Wir wollten nicht durch den dichten Stadtverkehr aus Bangkok heraus radeln, weshalb wir beschlossen, den Zug nach Samut Sakhon (Bahnhof Mahachai) zu nehmen. Diese Bahnstrecke ist nicht mit dem restlichen Streckennetz von Thailand verbunden - sie beginnt am Bahnhof Wongwian Yai auf der anderen Seite des Flusses Chao Phraya in Bangkok und endet am Bahnhof Mahachai. Dort kann man den Fluss per Fähre überqueren und einen weiteren Zug auf einer ebenfalls alleinstehenden Bahnstrecke nach Samut Songkhram (Bahnhof Maeklong) nehmen. Wir wollten diesen zweiten Zug nicht nutzen, radelten jedoch trotzdem zum Bahnhof Maeklong um den Zug dort bei der Einfahrt durch den sogenannten "Faltschirm-Markt" zu beobachten. Der Zug fährt dort so dicht an den Marktständen vorbei, dass die Verkäufer ihre Markisen einfalten und zurücktreten müssen, damit der Zug vorbeifahren kann.

Der Maeklong-Eisenbahnmarkt is auch als "Faltschirm-Markt" bekannt, da der Zug achtmal am Tag mitten durch den Markt fährt und die Verkäufer jedes Mal ihre Waren einpacken, ihre Sonnendächer einrollen und zurücktreten müssen, so dass der Zug vorbeifahren kann

Der Maeklong-Eisenbahnmarkt is auch als "Faltschirm-Markt" bekannt, da der Zug achtmal am Tag mitten durch den Markt fährt und die Verkäufer jedes Mal ihre Waren einpacken, ihre Sonnendächer einrollen und zurücktreten müssen, so dass der Zug vorbeifahren kann

Der Maeklong-Eisenbahnmarkt is auch als "Faltschirm-Markt" bekannt, da der Zug achtmal am Tag mitten durch den Markt fährt und die Verkäufer jedes Mal ihre Waren einpacken, ihre Sonnendächer einrollen und zurücktreten müssen, so dass der Zug vorbeifahren kann

Der Maeklong-Eisenbahnmarkt is auch als "Faltschirm-Markt" bekannt, da der Zug achtmal am Tag mitten durch den Markt fährt und die Verkäufer jedes Mal ihre Waren einpacken, ihre Sonnendächer einrollen und zurücktreten müssen, so dass der Zug vorbeifahren kann

Anschließend fuhren wir weiter nach Phetchaburi, wo wir übernachten wollten. Da wir ziemlich spät ankamen, wollten wir nur zu Abend essen und dann früh schlafen gehen, erfuhren jedoch, dass gerade ein jährliches, fünftägiges Fest am Khao Wang, einer alten, königlichen Palastanlage auf einem Hügel mitten in der Stadt, stattfand. Also gingen wir dorthin, um auf dem Nachtmarkt dort zu essen und uns das Feuerwerk über den Palastgebäuden anzusehen, bevor wir schlafen gingen.

Bei ein paar Salzgärten in der Nähe von Ban Laem, außerhalb von Phetchaburi

Bei ein paar Salzgärten in der Nähe von Ban Laem, außerhalb von Phetchaburi

Wir waren zufällig genau zur Zeit des fünftägigen Phra-Nakhon-Khiri-Fests am Khao Wang, einem alten Palast auf einem Hügel inmitten der Stadt Phetchaburi. Straßen und Hügel waren am Abend hell erleuchtet und am Fuße des Hügels gab eine große Auswahl an Essen und Unterhaltung.

Wir waren zufällig genau zur Zeit des fünftägigen Phra-Nakhon-Khiri-Fests am Khao Wang, einem alten Palast auf einem Hügel inmitten der Stadt Phetchaburi. Straßen und Hügel waren am Abend hell erleuchtet und am Fuße des Hügels gab eine große Auswahl an Essen und Unterhaltung.

Am nächsten Tag begann unser Strandurlaub. Von Phetchaburi aus fuhren wir direkt an den Strand und folgten dann der "Aussichtsroute" (viele kleine Straßen, die als solche beschildert waren) entlang der Küste bis nach Cha-am. Der Strand von Cha-am ist sowohl bei einheimischen als auch bei ausländischen Touristen beliebt, war jedoch in diesen ungewöhnlichen Zeiten viel leerer als sonst. Nach einem Mittagessen am Strand radelten wir weiter die Strandstraße entlang, bis wir in Hua Hin auf die Route 4 trafen. Da es dort keine kleinere Parallelstraße gab, blieben wir auf dieser Schnellstraße, bis sie sich von der Küste entfernte. Dann konnten wir wieder in ein kleines Dorf namens Ban Khao Tao abbiegen, wo wir eine Unterkunft nahe am Strand fanden.

Entlang der Küste von Phetchaburi nach Cha-am folgten wir größtenteils der "Scenic Route" (Aussichtsstraße) auf schönen, neuen Radwegen. Wir lieben das Amt für Landstraßen!

Entlang der Küste von Phetchaburi nach Cha-am folgten wir größtenteils der "Scenic Route" (Aussichtsstraße) auf schönen, neuen Radwegen. Wir lieben das Amt für Landstraßen!

Leerer Strand in Cha-am

Leerer Strand in Cha-am

Strand von Khao Tao, südlich von Hua Hin

Strand von Khao Tao, südlich von Hua Hin

Am nächsten Tag radelten wir dann auf ein paar weiteren ruhigen und schönen Straßen den Strand entlang in Richtung Prachuap Khiri Khan. Um ehrlich zu sein, wir sind keine Strandmenschen und planen nie typische Strandurlaube, da wir überfüllte Strände hassen und sie langweilig finden. Aber mit dem Fahrrad die Strände im Süden Thailands entlangzufahren war wirklich entspannend: Keine Menschenmengen (die meisten Touristenstrände befinden sich auf den Inseln), schöne Aussicht, gute Straßen, günstiges Essen und günstige Unterkünfte. Endlich fühlte es sich wie der Urlaub an, den wir von den Anstrengungen des Vollzeit-Reisens brauchten. Die einzige Schwierigkeit dieser Tage war, leider, ziemlich starker Gegenwind, der den Golf von Thailand hinauf wehte.

Heiko auf einem zweidimensionalen Segelboot am Strand von Sam Roi Yod

Heiko auf einem zweidimensionalen Segelboot am Strand von Sam Roi Yod

In Prachuap Khiri Khan machten wir einen Tag Pause und fanden endlich die Zeit, mal ins Meer zu springen. Unmittelbar südlich von Prachuap Khiri Khan ist die schmalste Stelle Thailands entlang des Isthmus von Kra, und wir scherzten, dass man ja fast einen Stein von der Küste nach Myanmar werfen könnte (Thailand ist an seiner schmalsten Stelle nur 13km breit). Über eine lange Strecke hatten wir hier keine andere Wahl, als die Route 4 zu nehmen, die immerhin einen guten Seitenstreifen wie ie Route 2 im Nordosten hat, aber durch vergleichsweise wenig bebautes Gebiet und durch weniger Städte führt. Da jedoch viel Verkehr herrschte, waren wir froh, bei Thap Sakae wieder auf ruhigere Straßen abbiegen zu können. Wir folgten wieder der Aussichtsstraße entlang der Küste nach Ban Kurt, einem der bekannteren Strände des südthailändischen Festlandes. Wir radelten an den Touristenresorts vorbei und dann weiter über Bang Saphan Yai in ein kleines Dorf namens Ban Suan Luang, wo wir einen günstigen und netten Bungalow am Strand fanden und wieder schwimmen gingen. Das Dorf hatte ein überraschendes Auswanderer-Flair, da dort viele westliche Rentner leben.

Unsere Fahrräder am Strand in der Nähe von Ban Krut

Unsere Fahrräder am Strand in der Nähe von Ban Krut

Heiko entspannt in einer Hängematte vor unserem Strandbungalow in Ban Suan Luang

Heiko entspannt in einer Hängematte vor unserem Strandbungalow in Ban Suan Luang

Weiter südlich von Ban Suan Luang wurde die Landschaft dann etwas hügeliger und die Aussichtsstraße verlief nicht mehr so nah an der Küste wie zuvor. Stattdessen führte uns unser Weg durch viele Kokosnuss-, Gummibaum- und Palmöl-Plantagen. Wir verbrachten eine Nacht am Strand von Tung Wua Laen, der Chumphon am nächsten liegt und an dem erstaunlich viel los war, vor allem mit einheimischen Touristen. Wir wohnten in einem Bungalow direkt auf der anderen Straßenseite vom Strand und badeten natürlich auch wieder. Am nächsten Tag fuhren wir größtenteils entlang der Bahnstrecke weiter nach Lang Suan. Dort fanden wir einen richtig günstigen Bungalow direkt auf dem Strand von Pak Nam Lang Suan, der von einem freundlichen Fischer betrieben wurde. Wir waren praktisch die Einzigen auf diesem Strandabschnitt und sprangen wie üblich wieder ins Meer. Leider war das Wasser hier nicht so klar wie weiter im Norden, was vielleicht an anderer Strömung an dieser Ecke von Thailand liegt.

In der Nähe von Thap Sakae sind wir von der Route 4 in die Kokosnuss-Plantagen abgebogen

In der Nähe von Thap Sakae sind wir von der Route 4 in die Kokosnuss-Plantagen abgebogen

Unser Strandbungalow in Pak Nam Lang Suan

Unser Strandbungalow in Pak Nam Lang Suan

Am nächsten Morgen überraschte uns die Nachricht, dass Malaysia sich abriegelt und am nächsten Tag die Grenzen schließen würde. Nur einen Tag zuvor hatte auch Singapur zusätzliche Beschränkungen für Reisende aus allen ASEAN-Ländern (Südostasien) erlassen. Angesichts des starken Anstiegs an COVID-19-Fällen weltweit hatten wir uns ohnehin schon gefragt, ob es noch zu verantworten ist, weiter zu reisen. Wir hatten uns jedoch überlegt, dass Radreisen von allen Reiseformen wahrscheinlich eine der sichersten ist, da wir nur zu sehr wenigen Menschen in engen Kontakt kommen. Sobald wir von der Abriegelung Malaysias erfuhren, war uns jedoch klar, dass wir unsere Reise nun beenden mussten. Wir sahen keinen Sinn darin, noch schnell über die Grenze nach Malaysia zu hetzen, um dann durch ein größtenteils stillgelegtes Land zu radeln. Auch wollten wir nicht riskieren, länger in Thailand zu bleiben, da sich die Lage zu rasant änderte und sich sicher erstmal weiter verschlimmern würde.

Also verabschiedeten wir uns von den endlosen Stränden Südthailands und planten unsere schnellste Flucht. Diese bestand aus einem Tag per Rad nach Chaiya und einer Nacht in einem Hotel dort (da es nur Züge am frühen Morgen gab, die wir schon verpasst hatten, oder über Nacht, die wir nicht nehmen wollten), einem langsamen Bummelzug nach Hat Yai am nächsten Tag und dann ein Flug am Abend darauf, so dass wir genug Zeit zum Verpacken unserer Fahrräder hatten (mit Hilfe eines örtlichen Fahrradladens). Bei den ganzen neuen Reisebeschränkungen in Singapur hatten wir Sorge, dass es an der Grenze zu starken Verzögerungen kommen könnte oder dass Heiko die Einreise verweigert würde, aber es lief alles erstaunlich glatt für uns.

Auf einem Tuk-Tuk mit unseren verpackten Fahrrädern auf dem Weg zum Flughafen von Hat Yai. Ein abruptes Ende unserer Reise :(

Auf einem Tuk-Tuk mit unseren verpackten Fahrrädern auf dem Weg zum Flughafen von Hat Yai. Ein abruptes Ende unserer Reise :(

Nun sitzen wir in Singapur unsere 14-tägige "Stay Home Notice" ab, unter der wir die Wohnung nicht verlassen dürfen. Wir wollten nicht, dass unsere Reise so endet, aber außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Dass wir die restliche Strecke durch den Süden Thailands und Malaysia überspringen müssen finden wir nicht so tragisch, da wir in diese Gegenden schon früher bereist hatten, aber es wäre doch schön gewesen, hätten wir unsere Reise wie geplant zu Ende bringen können. Sicherlich werden wir nach dieser Krise irgendwann wieder unterwegs sein werden :)