Wieder unterwegs

Erstellt am 2020-02-18

Nach zwei Wochen in Singapur (und fast einem Monat nicht auf dem Rad - wer hätte gedacht, dass eine Nasennebenhöhlenentzündung so langwierig sein kann?), flogen wir zurück nach Hanoi, wo wir unsere Fahrräder zurückgelassen hatten, um unsere Reise fortzusetzen. Als wir die Altstadt erreichten, waren wir überrascht, dass die Straßen leerer waren als zu unserer Abreise - vielleicht, weil gerade Tet, das vietnamesische Neujahrsfest, zuende ging und weil die Leute wegen des Coronavirus nicht auf die Straße gingen. Wir haben außerdem erfahren, dass die Schulen in Vietnam geschlossen waren, um das Virus einzudämmen - und das anti-chinesische Paranoia auf einem Allzeithoch war (was auch an Hannah nicht spurlos vorbeiging).

Wie zuvor, wollten wir lieber nicht im chaotischen Stadtverkehr radeln und also lieber den Zug von Hanoi nach Ninh Binh nehmen. Wir dachten, den Zug zu nehmen wäre wieder so einfach wie von Haiphong nach Hanoi - feste Preise für Fahrräder und Mitarbeiter, die beim Be- und Entladen unserer Fahrräder in den Frachtwaggon helfen. Leider war es am Bahnhof von Hanoi ganz anders - unfreundliche Mitarbeiter brüllten uns sinnlos an und viele Züge waren schon voll, als wir Tickets kaufen wollten. Also nahmen wir stattdessen einen Bus, was nach einiger Preisverhandlung mit dem Busfahrer über unsere Fahrräder dann relativ reibungslos ablief.

Ninh Binh wird auch als "Halong-Bucht an Land" bezeichnet - weniger bekannt, aber gleichermaßen beeindruckend wie das berühmtere Gegenstück. Die Karstlandschaft befindet sich eigentlich einige Kilometer westlich der Stadt und ist überraschend ländlich. Wir wohnten in einer Pension in einem Dorf nahe der Karstlandschaft und verbrachten einen Tag damit, die Gegend per Fahrrad zu erkunden. Leider war uns das Wetter nicht wohlgesonnen und brachte Nieselregen und tiefe Wolken. Daher ließen wir die Fahrt mit dem Touristenboot durch die Landschaft ausfallen, besuchten aber Hoa Lu, die alte Hauptstadt Vietnams im 10. und 11. Jahrhundert, und erkundeten die paar dort noch erhaltenen Tempel.

Radfahren zwischen den Reisfeldern bei Ninh Binh, mit schöner Karstlandschaft im Hintergrund

Radfahren zwischen den Reisfeldern bei Ninh Binh, mit schöner Karstlandschaft im Hintergrund

Touristenboote rudern den Fluss hinab und in die mystisch-diesige Karstlandschaft bei Trang An, Ninh Binh

Touristenboote rudern den Fluss hinab und in die mystisch-diesige Karstlandschaft bei Trang An, Ninh Binh

Radfahren in Hoa Lu, der alten Hauptstadt Vietnams im 10. und 11. Jahrhundert, bei Ninh Binh

Radfahren in Hoa Lu, der alten Hauptstadt Vietnams im 10. und 11. Jahrhundert, bei Ninh Binh

Für die Fahrt von Ninh Binh nach Vinh waren wir fest entschlossen, die QL1, die Hauptverkehrsstraße zwischen Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt, so weit wie möglich zu meiden. Zuerst nahmen wir die QL10, auf der immer noch mehr Verkehr war, als uns lieb war, weshalb wir etwas vor der Phat-Diem-Kathedrale auf noch kleinere Straßen auswichen. An der Kathedrale hielten wir an, um uns diesen Komplex anzusehen, der 1892 in einer einzigartigen Mischung aus vietnamesischen und europäischen Architekturstilen errichtet wurde. Nach der Kathedrale ging es wieder auf der QL10 weiter, auf welcher der Verkehr mittlerweile glücklicherweise etwas nachgelassen hatte, bis nach Thanh Hoa.

Glockenturm der Phat-Diem-Kathedrale in der Provinz Ninh Binh. Die Kathedrale wurde 1892 in einer Mischung vietnamesischer und europäischer Architekturstile gebaut.

Glockenturm der Phat-Diem-Kathedrale in der Provinz Ninh Binh. Die Kathedrale wurde 1892 in einer Mischung vietnamesischer und europäischer Architekturstile gebaut.

Bei unserer Ankunft in Thanh Hoa waren wir überrascht, ein Tourenfahrrad in der Garage unseres Hotels stehen zu sehen - den Eigentümer haben wir jedoch nicht kennengelernt. Am nächsten Morgen waren wir jedoch noch mehr überrascht, als dort plötzlich zwei weitere Reiseräder standen, und wir diesmal deren Besitzer trafen: ein australisch-irisches Paar auf Tour durch Vietnam. So viele Radreisende hatten wir schon lange nicht mehr gesehen!

Von Thanh Hoa nach Vinh fuhren wir fast die ganze Strecke auf kleinen Straßen so nah wie möglich an der Küste. Oft radelten wir auf Deichen, wo kaum bis gar kein Verkehr war und wir manchmal schöne Aussichten auf das oft von Fischerbooten gesäumte Meer erhaschen konnten. Manchmal mussten wir uns unseren Weg allerdings auch durch Müllberge auf den Straßen bahnen, da die Küstenstraßen tendenziell die Hinterstraßen der Städte und Dörfer sind, an denen niemand lebt. Wir kamen auch an unzähligen Reisfeldern vorbei, auf denen viele Menschen hart damit beschäftigt waren, zu dieser Jahreszeit den Reis anzupflanzen. Was uns am meisten überrascht hat, war die große Zahl der Kirchen, deren Türme überall aus der ansonsten flachen, ländlichen Landschaft ragten - noch mehr als in unseren Erinnerungen an Europa, obwohl Katholiken hier nur 7% der Bevölkerung ausmachen.

Landwirte pflanzen Reis, auf dem Weg von Ninh Binh nach Thanh Hoa

Landwirte pflanzen Reis, auf dem Weg von Ninh Binh nach Thanh Hoa

Am Ufer vertäute Fischerboote, auf dem Weg von Thanh Hoa nach Vinh

Am Ufer vertäute Fischerboote, auf dem Weg von Thanh Hoa nach Vinh

Ziemlich aufwändige Weihnachtskrippe im Cua-Bang-Pilgerzentrum der Pfarrgemeinde von Ba Lang, auf dem Weg von Thanh Hoa nach Vinh, komplett mit den Heiligen Drei Königen (auf Kamelen), dem Weihnachtsmann und einigen Pinguinen (??)

Ziemlich aufwändige Weihnachtskrippe im Cua-Bang-Pilgerzentrum der Pfarrgemeinde von Ba Lang, auf dem Weg von Thanh Hoa nach Vinh, komplett mit den Heiligen Drei Königen (auf Kamelen), dem Weihnachtsmann und einigen Pinguinen (??)

In Vinh machten wir einen Tag Pause, was zufällig auch ein kompletter Regentag war, so dass es gut war, dass wir für den Tag keine Fahrt geplant hatten. Am nächsten Tag bogen wir dann Richtung Westen ab, weg von der Küste und zur laotischen Grenze. Irgendwann mussten wir dazu auf der QL8A fahren, aber zunächst nahmen wir (wieder) so lange wie möglich kleine Straßen. Als wir letztendlich nach ca. 20km auf die QL8A trafen, war der Verkehr schon wieder relativ ruhig. Wir radelten hinauf bis ins Dorf Nuoc Sot, wo auf unseren Karten Unterkünfte verzeichnet waren - die letzten vor dem langen Anstieg hinauf zur Grenze. Als wir dort ankamen, stellte sich heraus, dass unsere erste Wahl, eine Pension in einem Wasser-Abfüllbetrieb, geschlossen war und unsere zweite Option, eine "günstige Pension" (das war der Name), nur billig aussah. Die Besitzerin nannte uns jedoch einen ziemlich hohen Preis und verweigerte komplett jede Preisverhandlung. Aus Trotz radelten wir daher ganze 13km zurück hinab in die vorherige Stadt, Tay Son, wo wir uns dann stattdessen ein recht schickes Hotel gönnten (mit ach so bequemen Betten, nach so vielen harten Matratzen in Vietnam).

Aussicht von unserem Hotelzimmer in Tay Son

Aussicht von unserem Hotelzimmer in Tay Son

Am nächsten Tag war es dann ein langer, steiler Anstieg zur Grenze von Laos, wobei wir durch immer dichter werdenden Wald radelten. Mittlerweile hatte der Straßenverkehr noch mehr nachgelassen und bestand nun hauptsächlich aus Lastwagen (sowohl aus Vietnam als auch aus Laos) auf dem Weg zur Grenze. Als wir schließlich oben angekommen waren, wären wir fast an der Passkontrolle vorbei direkt aus dem Land geradelt, als wir uns durch die Unmengen von Lastwagen schlängelten, die sich am vietnamesischen Grenzposten aufgestaut hatten.

Dicht bewaldete Berge auf unserem Weg hinauf zur laotischen Grenze bei Cau Treo

Dicht bewaldete Berge auf unserem Weg hinauf zur laotischen Grenze bei Cau Treo