Vietnam mit Unterbrechung

Erstellt am 2020-01-27

Unsere Reise durch Vietnam ging gut los. Schon am frühen Nachmittag kamen wir in der vietnamesischen Grenzstadt Mong Cai an, obwohl wir am Morgen erst ziemlich spät in Fangchenggang aufgebrochen waren. Entlang der Küste war die Straße nun endlich flach und wir hatten ordentlich Rückenwind, so dass wir unerwartet schnell unterwegs waren. Außerdem hatten wir einen guten Motivationsschub, da wir nun endlich in Südostasien waren, eine Region, die wir beide schon vorher intensiv bereist hatten (besonders Hannah). Unsere Ankunft in Südostasien erschien uns so ein bisschen wie der Anfang der Zielgeraden.

Da wir früh angekommen waren, mussten wir ein paar Stunden auf unseren Warmshowers-Gastgeber warten, der noch mit seinem Bürojob beschäftigt war, während wir in seinem Restaurant warteten. Nachdem wir dann zusammen zu Abend gegessen hatten und er uns sein Haus gezeigt hatte, musste er für den späten Abend wieder zurück zu seinem Restaurant, da dann dort am meisten los ist. Es stellte sich heraus, dass er nicht nur zwei, sondern drei (oder mehr) Jobs hatte und darüber hinaus immer noch Energie, um Reiseradler zu beherbergen! Zuerst waren wir davon überrascht, aber einige unserer späteren Gastgeber waren ähnlich geschäftstüchtig, was in Vietnam ziemlich normal zu sein scheint.

Mit unserem Gastgeber Duc vor seinem neuen Restaurant in Mong Cai, direkt hinter der Grenze von China

Mit unserem Gastgeber Duc vor seinem neuen Restaurant in Mong Cai, direkt hinter der Grenze von China

Von Mong Cai aus fuhren wir an zwei relativ flachen und einfachen Tagen entlang der Küste nach Halong. Obwohl das Klima hier im Prinzip dasselbe wie auf unserem letzten Abschnitt in China ist, war die Vegetation plötzlich sehr viel tropischer und wir genossen das kühle, aber nicht kalte, "Winter"-Wetter mit Temperaturen knapp über 20°, perfekt zum Radfahren. Wir fanden den Straßenverkehr in Vietnam etwas besser als in China, hauptsächlich weil die Leute aufpassen, wo sie hinfahren. Die vietnamesischen Autofahrer nutzen aber die Hupe noch intensiver, so dass wir fast die ganze Zeit mit Ohrstöpseln unterwegs waren. Generell waren die Vietnamesen aber freundlicher als die Chinesen, was dem Stress auf der Straße etwas entgegenwirkte.

Karstberge erheben sich hinter Gebäuden zwischen Cam Pha und Halong

Karstberge erheben sich hinter Gebäuden zwischen Cam Pha und Halong

Als wir uns der Stadt Halong näherten, nahmen wir eine kleine Küstenstraße, die uns mit Aussichten auf die berühmte Halong-Bucht belohnte, deren Karstgipfel so abrupt aus dem Wasser ragen. Da wir beide schon früher eine Bootstour auf der Halong-Bucht gemacht hatten, unternahmen wir diesmal nicht wieder eine, aber von Land aus war die Aussicht genauso beeindruckend, wie wir sie in Erinnerung hatten. In Halong wohnten wir bei einem Couchsurfing-Gastgeber, der sein eigenes Tourismusgewerbe betreibt und unter anderem Airbnb-Wohnungen in der Stadt vermietet. Wir hatten Glück, dass eines der besten Zimmer in seiner Wohnung frei war und wir darin übernachten durften - in einem schönen Zimmer mit einer großartigen Panorama-Aussicht über die Halong-Bucht!

Fischerboote auf der Halong-Bucht

Fischerboote auf der Halong-Bucht

Frauen sammeln Fisch von den Fischerbooten auf der Halong-Bucht

Frauen sammeln Fisch von den Fischerbooten auf der Halong-Bucht

Von Halong aus war es dann nicht mehr weit bis Haiphong, der drittgrößten Stadt Vietnams und Standort eines der größten Häfen des Landes. Wir mussten nach Hanoi, um Heikos Visum für Laos zu beantragen, aber aufgrund des berüchtigten Verkehrschaos dort, hatten wir kein Verlangen, dort Rad zu fahren. Außerdem wollten wir auf der weiteren Fahrt Richtung Süden näher an der Küste bleiben und nach Hanoi zu radeln hätte einen Umweg ins Inland bedeutet. Also parkten wir unsere Fahrräder für ein paar Tage bei einem Couchsurfing-Mitglied in Haiphong und nahmen den Bus nach Hanoi (und den Zug zurück).

Baumgesäumte Straße in Haiphong

Baumgesäumte Straße in Haiphong

In Hanoi wohnten wir bei einem weiteren Warmshowers-Gastgeber - eine Gastgeber-Dichte, wie wir sie seit Iran nicht mehr erlebt hatten und die all unsere Erwartungen bezüglich der Gastfreundschaft der Vietnamesen übertraf. Da wir beide auch schonmal in Hanoi waren, hatten wir keinerlei Sightseeing-Pläne und nur genug Zeit eingeplant, um einige Dinge zu erledigen (Heikos Visum für Laos zu beantragen und unsere Typhus-Impfungen aufzufrischen) und uns mit einigen von Hannahs Freunden in der Stadt zu treffen. Wir fühlten uns schon nicht so gut, was wahrscheinlich am schnellen Temperaturanstieg seit Fangchenggang und an angesammeltem Schlafmangel lag. Nachdem wir dann unsere Typhus- und Grippeimpfungen erhalten hatten (letztere auf Anraten der Impfärztin), fühlten wir uns noch schlechter, was wir jedoch auf Nebenwirkungen der Impfungen schoben. Dennoch waren wir, nachdem alles erledigt war, froh, die schlechte Luftqualität Hanois hinter uns zu lassen und nach Haiphong zurückzukehren.

In Haiphong checkten wir in eine kleine Privatpension ein (eigentlich ein Zimmer im Haus einer Familie) und mussten uns sofort erstmal hinlegen. Am nächsten Tag wurden Hannahs grippeähnlichen Symptome (oh, welch Ironie) nur noch schlimmer, aber wir warteten erst noch einen Tag ab, bevor wir beschlossen, zum Arzt zu gehen. Das erste "internationale" Krankenhaus stellte sich jedoch als komplett nutzlos heraus, da Hannah zwar für Untersuchungen kreuz und quer durch's Krankenhaus geschickt wurde, am Ende jedoch nur Mundspülung und Medikamente gegen Bindehautentzündung verschrieben bekam, woran sie eindeutig nicht litt. Wir bezahlten die Ärzte, aber kehrten ohne die Medikamente zu unserer Pension zurück und fragten uns, ob wir irgendwohin mit besserer Gesundheitsversorgung ausreisen sollten. Nach einiger Recherche fanden wir jedoch ein weiteres internationales Krankenhaus in Haiphong, das uns etwas vertrauenserweckender erschien (modernes Gebäude, Englisch sprechende Mitarbeiter), so dass wir am nächsten Tag dorthin gingen und Hannah endlich eine vernünftige Diagnose (Nasennebenhöhlenentzündung) und Antibiotika für eine Woche erhielt. Also blieben wir in Haiphong und hofften, dass die Symptome mit Beginn der Antibiotikabehandlung aufhören würden (so wie es bei anderen Erkrankungen von Hannah der Fall war) und dass wir bald weiter fahren könnten. Nachdem die Antibiotika aufgebraucht waren, hustete Hannah jedoch immer noch so heftig, dass ihre Rippen schmerzten und der Husten mitten in der Nacht unsere Gastgeberin aufweckte, die uns voller Sorge anbot, Hannah sofort wieder zum Krankenhaus zu bringen. Auch wenn unsere Gastgeber richtig nett waren, wollten wir wirklich nicht mehr länger in der Pension herumhängen, nachdem wir nun schon fast zwei Wochen dort waren und überhaupt nicht abschätzen konnten, wie lange es noch dauern würde. Nach einiger Überlegung buchten wir daher einen Flug für den nächsten Tag von Hanoi zurück nach Singapur, wo wir direkt vom Flughafen zu Hannahs Hausarzt fuhren.

Jetzt sind wir schon seit einer Woche in Singapur und warten noch ein paar Tage, bis wir uns vollständig erholt haben, bevor wir unseren Rückflug nach Hanoi buchen, wo wir unsere Fahrräder zurückgelassen haben. Unsere unerwartete Rückkehr ermöglichte es uns immerhin, das Chinesische Neujahrsfest mit Hannahs Familie zu feiern (Yay!), war aber auch genau zeitgleich mit der Ausbreitung des Wuhan-Virus, weshalb es eine höchstverdächtige Zeit war, um krank zu sein. Alles was wir zu diesem unglücklichen Zeitpunkt der Ereignisse sagen können, ist: Hannah hat nicht den Wuhan-Virus, und sie bekam auch keine Grippe von der Grippeimpfung - also Leute, lasst euch gegen Grippe impfen!